"Nun gehet und suchet euer Glück und eure Liebe" gab der Druide
Tadgh (Pat Murphy) den Besuchern in der Stadthalle Lauda am
Ende mit auf den Nachhauseweg. Doch das Ensemble auf der Bühne
entließ sie nicht einfach so in die Kälte der Nacht. Mit mehreren
Zugaben verabschiedeten sich die Akteure mit einem tänzerischen
Feuerwerk von ihrem Publikum. Genauso, wie sie rund zwei Stunden
lang vorher mit "erstaunlicher Beinarbeit" nicht nur sich selbst,
sondern auch den Zuschauern "einheizten" und sie dabei stellenweise,
zumindest klatschend, ins Programm miteinbezogen. "Celtic Life",
eine Geschichte vom Königreich Tara und dem Kampf zweier Rivalen
um die Liebe einer Frau.
Was wie die millionenfache Ausgabe eines klassischen Handlungsmusters
klingt, gestaltete sich dann aber doch zu einem tänzerischen
Leckerbissen. Zumindest für die Freunde des Steptanzes. Denn
was die 25 Akteure auf diesem Gebiet zeigten, war "erste Sahne".
Kein Wunder, denn einige der besten irischen Tänzerinnen und
Tänzer wurden neben weiteren internationalen Darstellern eigens
für diese Show verpflichtet. Einige überzeugten bereits bei
vorherigen Produktionen etwa bei Lord of the Dance, Riverdance,
Feat of Flames, A Chorus Line oder dem Musical Cats.
Da beim Stepdance in erster Linie die Bein-Akrobatik und nicht
das gesprochene Wort oder der Gesang im Vordergrund stehen,
hat Produzent Jürgen Hehn der Handlung dieser irisch-schottischen
Tanz-Show einen Druiden (gespielt von Pat Murphy) "spendiert".
Er holt die Besucher immer wieder zurück in die Geschichte,
die in Anlehnung an die irische Sage "Das Königreich Tara" entstand.
Mit Bass-Stimme erläutert er die Gefühlslage des Königs Eochaidh,
dessen Liebe zu Königin Etain unerwidert bleibt.
Als er auch noch seine Geliebte an Midir, eine fremde Gottheit,
verliert, beginnt der Kampf der Rivalen. Zwei Schwäne steigen
in den Himmel auf der Suche nach dem keltischen Leben.
Der Besucher tauchte gemeinsam mit den Tänzerinnen ein in die
mythische Sagenwelt der Kelten. Licht- und pyrotechnische Effekte,
letztere allerdings etwas auf Sparflamme lodernd, unterstrichen
die Handlung. Bilder und Videoclips auf Großleinwand im Hintergrund
vermittelten zusätzliches Flair auf der Reise in eine längst
vergangene Welt. Flotter und temperamentvoller Steptanz wechselte
sich mit lyrischen Tanzelementen ab und spiegelte immer wieder
aus Neue die Gemütsstimmung der beiden Kontrahenten sowie von
Königin Etain vor. Szenenapplaus der Besucher unterstrich, dass
die Akteure sowie Choreographin Maria McAteer den Nerv des Publikums
trafen.
Wenngleich die Kostümauswahl für Midir etwas spärlich ausfiel,
der in schwarzer Hose und schwarzem Hemd mit Cowboy-Ledergürtel
über die Bühne wirbelte, war dafür alles live. Der Schwerpunkt
lag dadurch zwangsläufig auf den Tanzeinlagen, die durch Schwertkampfszenen
oder einer Body-Percussion sowie Modern-Balett-Szenen zudem
wunderschön verpackt wurden. Ausgereift präsentierte sich auch
die Technik, denn jeder der Tänzer hatte an jedem Fuß ein Mikrofon,
dass die Step-Bewegungen akustisch eindrucksvoll ins Szene setzte.
Wer auf irische Weisen steht, kam ebenfalls auf seine Kosten.
Musiker der Formation "Scapa Flow", eine der besten irisch-schottischen
Live-Folk-Bands, begleitete mit ihren Whistles, Bagpipes, Fiddles
und Borans musikalisch perfekt die Show. Sänger Craig Herbertson
wurde mit seiner Gitarre sogar teilweise in die Handlung miteinbezogen:
Mit Solosongs zwischen Tanzszenen. Irisches Lebensgefühl kommt
in der Symbiose von irischer Musik und traditional Stepdance
eben am besten rüber.